| Als St. Mathilde zu klein wurde, gab es ein Angebot |
| Freitag, den 27. März 2009 um 18:13 Uhr |
Als St. Mathilde zu klein wurde, gab es ein AngebotVor 50 Jahren fand die Wiederweihe zum katholischen Gotteshaus statt von: GERD ALPERMANN, 27.03.09, 18:13h QUEDLINBURG/MZ. Die katholische St. Mathildenkirche wurde im vergangenen Jahr 150 Jahre alt. In diesem Jahr kann die katholische Gemeinde Quedlinburg erneut ein Jubiläum begehen. Vor 50 Jahren wurde die Wipertikirche wieder geweiht. 1954 hatte die Gemeinde das Gotteshaus an der Straße nach Neinstedt / Warnstedt zur Nutzung erhalten. Nachdem es gut 140 Jahre als Scheune zweckentfremdet worden war, musste mit viel Kraft und Ausdauer die Kirche zunächst wieder hergerichtet werden. Starkes AnwachsenAusgangspunkt war das starke Anwachsen der katholischen Gemeindemitglieder in Quedlinburg nach dem Zweiten Weltkrieg. Durch Flüchtlinge gab es in der Stadt 1953 rund 4 700 eingetragene katholische Christen, heute sind es rund 1 200, weiß Gottfried Andrusch, mehrere Jahre Pfarrgemeindevorsitzender. Die Mathildenkirche am Marschlinger Hof war für so viele Menschen zu klein, so dass nach einem zweiten Gotteshaus Ausschau gehalten wurde. Da kam das Angebot, die Wipertikirche zu übernehmen. Die staatliche Denkmalpflege war sehr daran interessiert einen Nutzer zu finden, um die Kirche restaurieren und erhalten zu können. Der damalige Vorsitzende der Ost-CDU befürwortete das Vorhaben und ließ dies von Berlin aus den Rat des Kreises wissen. Mehrere Besichtigungen der Denkmalpflege und der Gemeinde folgten.Dann war der Weg frei. Doch stand die Frage, ob die Gemeinde das Risiko eingehen sollte, denn die Instandsetzung und Restaurierung sollten ohne staatliche Hilfe erfolgen. "Spätere Generationen würden es nicht verstehen, dieses Angebot bloß aus Ängstlichkeit ausgeschlagen zu haben", machte sich die Gemeinde zu eigen. Am 1. Oktober 1954 wurde der Nutzungsvertrag zwischen dem Kirchenvorstand und der Stadt als Eigentümer nach der Enteignung der Firma Baentsch unterzeichnet. Heute ist das Land der Grundeigentümer. Die Übergabe erfolgte miet-, zins- und pachtfrei. Die Baulast hatte aber die Pfarrgemeinde. Marienportal eingebautZunächst musste aus dem als Scheune genutzten Gebäude wieder eine Kirche werden. Deshalb vergingen fünf Jahre, bis am 12. April 1959 die Wiedereinweihung erfolgen konnte. Zuvor war das Dach instand zu setzen, Balken zu erneuern oder zu verstärken. Zwei Pfeiler mussten wieder eingebaut und das große Tor geschlossen werden. Anstelle des Scheunentores wurde das Marienportal als südlicher Nebeneingang eingebaut. Das prächtige Tor gehörte einst zur im Bauernkrieg zerstörten Marienkirche auf dem Münzenberg und befand sich zuletzt auf dem Schlossberg.Es sind drei Begebenheiten, die für die Wipertikirche wichtig sind, sagt Gottfried Andrusch. Ein Amtmann Koch hat 1816 die Kirche gekauft und so wahrscheinlich vor dem Abriss bewahrt. Mit der Übernahme durch die katholische Gemeinde 1954 wurde die Kirche wieder zum Gotteshaus und seit 1995 kümmert sich ein Förderverein um den Erhalt und die Restaurierung der Kirche. In den nun schon 14 Jahren wurde die Wipertikirche Stück für Stück wieder zu dem, was sie aus ihrer geschichtlichen Bedeutung ist, ein Kleinod, das jährlich immer mehr Besucher anlockt. Teil des WelterbesFür die katholische Gemeinde ist es ein besonders feierlicher Ort, wo Gottesdienste stattfinden, verbunden mit Taufen und Firmung, aber auch Trauungen und in Ausnahmefällen Trauerfeiern. Zudem gibt es Konzerte und Ausstellungen, die das Gotteshaus, wie zu Besichtigungen für breitere Schichten der Bevölkerung öffnen. Die Wipertikirche gehört zur Straße der Romanik und zum Weltkulturerbe. Eine besondere Kostbarkeit ist die 1 000 Jahre alte Krypta. Der Förderverein und die Pfarrgemeinde sichern von Mai bis Oktober ab, dass Besucher das Gotteshaus täglich von 10 bis 17 Uhr besichtigen können.Für viele Touristen ist der Besuch der Wipertikirche ein Muss, wenn sie nach Quedlinburg kommen. Sie sehen dann, was sich in den zurückliegenden Jahren, dank des Fördervereins unter dem Vorsitz von Martin Reis getan hat. Erster Blickfang neben dem restaurierten Kircheninneren sind die künstlerisch gestalteten Bleiglasfenster des Wernigeröder Glaskünstlers Günther Grohs. Bei der Auswahl wurde auf Schlichtheit Wert gelegt, damit die Fenster das historische Ambiente der Kirche nicht überstrahlen. Zu den wichtigsten bisher ausgeführten Arbeiten gehören die vollständige Sanierung des Daches und seines Unterbaus sowie die Abtrennung der Krypta vom Hauptraum durch Glastüren und Wände. Dadurch kann in der Krypta ein Klima geschaffen werden, der die romanische Kostbarkeit nicht angreift. Viel UnterstützungInsgesamt wurden in den vergangenen rund 15 Jahren etwa 900 000 Euro an Fördermitteln und Spenden als Eigenanteil der Gemeinde für den Erhalt der Kirche eingesetzt. Zu den Unterstützern gehören sowohl Privatpersonen, zum Beispiel bei den neuen Bleiglasfenstern, als auch Institutionen wie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Oetkerstiftung, die Lotto-Toto-Gesellschaft und der Rheinische Verein für Denkmalpflege.Die 50-jährige Wiederweihe der Wipertikirche wird am Sonntag, 26. April, um 10.30 Uhr mit einem Festgottesdienst und einem anschließenden Gemeindefest begangen. Quelle: Mitteldeutsche Zeitung, Quedlinburger Harzbote vom 28.03.2009 (Onlineversion / Quelle) ![]() |
| Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 15. Mai 2009 um 20:09 Uhr |


