| Predigt von Alt-Bischof Leo |
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| Mittwoch, den 12. November 2008 um 12:26 Uhr |
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Predigt von Alt-Bischof Leo zum Festgottesdienst 150 Jahre Kirchweih Quedlinburg Lk 19,1-10Vor 150 Jahren Kirchweihe in Quedlinburg. Patronin die hl. Mathilde. Grund genug innezuhalten und zu danken. Das ist ja überhaupt der tiefste Grund für diese Feier: Wir sagen dir dank, Gott, für alles, was in diesen 150 Jahren von diesem Haus Gottes an Segen für die Menschen ausgegangen ist. Wie viele Gottesdienstbesucher hat diese Kirche wohl gesehen? Wie viele haben hier Trost und Lebensmut empfangen? Wie viel Not hat diese Kirche erlebt und wie viel Glaubenskraft ist von hier ausgegangen? Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, schließlich DDR und nun schon wieder etliche Jahre Bundesrepublik Deutschland. Das alles und vieles mehr hat diese Kirche überlebt. Zwei Weltkriege, verschiedene Ideologien und Weltanschauungen, die der Kirche alles andere als gewogen waren, das alles und noch viel mehr hat die Kirche überstanden. Und sie steht immer noch, sie lebt bis heute in denen, die wissen, dass der Glaube letzten Halt gibt und unser Leben trägt bei allem Auf und Ab, in guten und weniger guten Tagen. Wie ein cantus firmus eine Melodie trägt und bestimmt, so bestimmt der Glaube unser ganzes Leben und erinnert uns an einen alten Kanon, den wir in der katholischen Jugend damals oft gesungen haben: „Wechselnde Pfade, Schatten und Licht, alles ist Gnade, fürchte dich nicht!“ Daran will das Kirchweihfest erinnern.Deshalb gibt es Kirche, deshalb braucht es solche konkreten Orte, da der Mensch daran erinnert wird, dass es noch mehr gibt als Essen und Trinken und dass „der Mensch nicht allein vom Brot lebt, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt.“ Daran erinnert uns das heutige Kirchweihfest und es erinnert uns zugleich auch an alle jene, die uns vorausgegangen sind und sich für die Stabilität des Glaubens in dieser Gemeinde auf ihre je eigene Art eingesetzt haben. Da denken wir in Dankbarkeit an die Pfarrer und Vikare, an die Frauen und Männer, die in dieser Gemeinde ihren Dienst taten und auf ihre Weise zum Aufbau der Gemeinde beigetragen haben. Das Evangelium dieses festlichen Tages bringt auf den Punkt, was wir hier und heute eigentlich feiern. „Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden!“ Dieses Heil, von dem das Evangelium spricht besteht darin, dass der Mensch Christus begegnen kann. Dafür steht Kirche, darum muss es der Kirche gehen, in welcher Gestalt auch immer. Zu allen Zeiten dem Wandel unterworfen, immer bereit zu Erneuerung und Umkehr und doch im Kern immer dieselbe bleibend, die ecclesia, die Kyriake, die Gemeinschaft der an Christus Glaubenden, die von ihm, unserem Herrn und Bruder gerufen sind zum Lobpreis Gottes in einer Welt, die immer in Gefahr ist, einzig und allein nur um sich selbst zu kreisen. So wie im Evangelium, völlig ahnungslos und versteckt auf einem Baum sitzend, dieser Zöllner Zachäus, von dem es heißt, dass er sehr reich war und ganz klein von Gestalt, ein anderer Mensch wurde, da er Jesus begegnete, so soll ein jeder, der mit Kirche in Berührung kommt, angerührt werden von Jesus, der immer wieder einem jedem von uns zuruft, komm herunter von deinem Podest, ich will heute mit dir sein, ich will heute bei dir Wohnung nehmen. Hast du Platz für mich? Möchtest du mich aufnehmen? Hast du Zeit für mich? Ich möchte mit dir reden. Ich möchte mit dir gehen. Da dieser Zachäus neugierig war auf Jesus, hat sich Jesus ihm zugewendet. In dem Augenblick, da Jesus ihm begegnet und sich ihm zuwendet, weiß er, worin wahrer Reichtum besteht. Jetzt wächst er über sich hinaus. Er lernt Jesus nicht nur kennen, sondern dieser will sogar bei ihm wohnen. Da Jesus ihn ansieht, bekommt er Ansehen. Eine tiefe Freundschaft entsteht, zwischen ihm, dem so reichen und so kleinen Zachäus und Jesus, dem Freund der Zöllner und Sünder. Um diese tiefe Dimension des Glaubens geht es. Daran erinnert uns dieses Kirchweihfest. Was mit Zachäus geschah, das kann mit uns geschehen. Zu dieser Begegnung mit dem lebendigen Christus will uns die Kirche führen. Das ist ihre bleibende und ureigenste Aufgabe. Das soll uns bewusst werden an diesem Tag, da wir der Weihe dieser Kirche vor 150 Jahren gedenken. Menschen unterschiedlicher Herkunft und Stellung sollen Jesus Christus begegnen, so wie Zachäus unserem Herrn und Bruder begegnet ist. Nun wird ein nachdenklicher Mensch natürlich fragen, was bedeutet das schon, dieses Wort Heil? Was ist damit gemeint? So richtig weiß ich damit nichts anzufangen? Soll das heißen, dass jetzt nichts heil ist? Wir beklagen vieles, was nicht in Ordnung ist. Das war und ist zu allen Zeiten so. Wer diese 150 Jahre anschaut, wird nicht daran vorbeikommen. Wir brauchen nur auf unsere Gespräche achten oder die täglichen Informationen der Medien verfolgen. Vieles liegt im Argen. Damit will und kann der Mensch sich nicht abfinden. Die Frage, die mir immer wieder dabei kommt ist, ob wir sozusagen allein aus eigener Kraft mit der Not und dem Elend der Welt fertig werden oder ob wir eben doch auf Hilfe von außen angewiesen sind. Dabei soll sich freilich keiner auf die faule Haut oder die Hände in den Schoß legen, denn vieles können und müssen wir selbst regeln. Aber diesen ganz tiefen Riss, der meiner Meinung nach unser ganzes Leben durchzieht, der scheint wohl doch unüberwindlich zu sein. Da braucht es schon einen starken Glauben und ein großes Vertrauen. Wir brauchen eine Zukunft, die uns Leben in Fülle verheißt und wir brauchen jemand, der absolut glaubwürdig ist. Und da bin ich der Überzeugung, dass diese Glaubwürdigkeit mit der Person des Jesus von Nazaret gegeben ist und dass deshalb die Begegnung mit ihm ein unwahrscheinlich großes Geschenk ist. Die Begegnung mit Jesus befreit, macht Mut, verheißt Zukunft zu jeder Zeit und in jeder Situation. Da der Mensch ihm glaubt und ihm vertraut wird er heil, so wie Zachäus ein anderer Mensch wurde, da er Jesus begegnete. Freilich, unsere Probleme und Nöte werden nicht einfach vom Tisch gewischt, aber die Hoffnung ist größer und die Liebe zu Gott und dem Nächsten überwindet alles. Dieses Heil ist Jesus selbst. Er ist der Weg und die Wahrheit und das Leben. Nur er kann sprechen: „Habt keine Angst. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Ob wir jetzt ein wenig besser verstehen, warum wir dieses Kirchweihfest feiern? 150 Jahre lang ist in dieser Kirche verschiedensten Menschen die Begegnung mit dem lebendigen Christus ermöglicht worden und ich bin überzeugt, dass es auch weiterhin so sein wird. Jesus geht vorüber und jedem von uns ruft er zu, komm steig herab, ich will bei dir wohnen. Meine Freude ist es, bei den Menschen zu sein, denn „ich bin gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“ Gottes Gnade und Friede möge mit allen sein, die in diesem Haus des Herrn die Begegnung mit ihm suchen. Sein Lob wollen wir singen jetzt und allezeit. + Leo Nowak |
| Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 15. Mai 2009 um 20:21 Uhr |



